Hirntumoroperation im Wachzustand (Wachkraniotomie) —
Liegt ein Hirntumor in unmittelbarer Nähe wichtiger Funktionsareale wie dem Sprachzentrum, reicht eine Operation unter Vollnarkose allein häufig nicht aus, um diese Funktionen sicher zu schonen. In solchen Fällen kommt eine Hirntumoroperation im Wachzustand (Wachkraniotomie) zum Einsatz. Dabei wird die betroffene Person während eines Teils des Eingriffs geweckt, damit das Behandlungsteam die betroffenen Hirnfunktionen während der Tumorentfernung überprüfen kann. So lässt sich der Tumor möglichst vollständig entfernen, ohne zentrale Fähigkeiten wie Sprechen oder Sprachverständnis zu gefährden.
Wann wird eine Wachkraniotomie empfohlen?
Eine Wachkraniotomie kommt vor allem dann infrage, wenn sich ein Tumor im oder in der Nähe des Sprachzentrums befindet. Neben der Tumorlage spielen auch der allgemeine Gesundheitszustand sowie die Fähigkeit der betroffenen Person eine Rolle, während der wachen Phase aktiv mitzuarbeiten.
Welche Funktionen können überprüft werden?
Je nach Tumorlage werden unterschiedliche Funktionen getestet, etwa Sprachverständnis und Wortfindung, Bewegungsabläufe oder auch komplexere Fähigkeiten wie das Rechnen. Die passenden Aufgaben werden vorab gemeinsam besprochen und beispielsweise mit den Kolleginnen und Kollegen der Logopädie geübt.
Ablauf einer Wachkraniotomie
Vor dem Eingriff findet eine ausführliche Besprechung mit der Operateurin oder dem Operateur, der Anästhesistin oder dem Anästhesisten sowie den Kolleginnen und Kollegen der Logopädie statt. Dabei werden auch die späteren Testaufgaben gemeinsam geübt.
Zu Beginn der Operation wird die Kopfhaut örtlich betäubt und die betroffene Person zunächst in einen leichten Schlaf versetzt, während der Schädelknochen eröffnet wird. Im Gegensatz zu einer Vollnarkose ist hierfür keine künstliche Beatmung erforderlich. Für die eigentliche Tumorentfernung wird die Person anschliessend geweckt. Mithilfe einer elektrischen Stimulation der Hirnregionen (kortikale und subkortikale Stimulation) kann das Behandlungsteam genau bestimmen, welche Areale für welche Funktionen wichtig sind und deshalb nicht entfernt werden dürfen. So kann der Tumor möglichst vollständig entfernt werden, während funktionell wichtige Hirnregionen geschont werden. Nach diesem entscheidenden Operationsschritt kann die betroffene Person während des Wundverschlusses erneut schlafen.
Der Eingriff wird von einem spezialisierten Team aus Neurochirurgie, Anästhesie, Elektrophysiologie und Logopädie begleitet, das während der gesamten Operation eng zusammenarbeitet und die betroffene Person kontinuierlich unterstützt.
Nutzen und Erfolgschancen
Die Wachkraniotomie ermöglicht eine sogenannte «Maximal-Safe-Resection»: Dabei wird so viel Tumorgewebe wie möglich entfernt, ohne wichtige Hirnfunktionen zu gefährden. Studien zeigen, dass durch die direkte Überprüfung der Sprachfunktion während der Operation häufig ein grösserer Teil des Tumors sicher entfernt werden kann als ohne dieses Verfahren. Dies kann sich positiv auf den weiteren Krankheitsverlauf auswirken.
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Krankheitsbild
Diese Behandlungsmethode kann bei folgenden Krankheitsbildern in Betracht gezogen werden.
Häufige Fragen zur Wachkraniotomie
Ist die Operation im Wachzustand schmerzhaft?
Nein. Das Gehirn selbst besitzt keine Schmerzrezeptoren. Die Kopfhaut wird lokal betäubt, sodass die gesamte Operation schmerzfrei verläuft.
Wie lange bin ich während der Operation wach?
Das hängt vom individuellen Vorgehen ab, meist dauert die wache Phase circa eine halbe Stunde – so lange, wie für die Funktionsprüfung notwendig ist.
Was passiert, wenn ich während der wachen Phase Angst bekomme?
Das Anästhesieteam begleitet Sie durchgehend und kann Sie jederzeit beruhigen oder bei Bedarf wieder in einen leichten Schlaf versetzen. Sie sind während der Operation nie allein. Die Musikauswahl im OP-Saal kann auch gerne durch Sie erfolgen.
Erinnere ich mich später an die wache Phase?
Manche Patientinnen und Patienten erinnern sich an Teile der wachen Phase, andere kaum. Beides ist normal und hat keinen Einfluss auf das Operationsergebnis.
Wie geht es nach der Operation weiter?
Nach dem Eingriff erfolgt in der Regel eine Überwachung auf der Intensivstation für eine Nacht. Die weitere Nachbehandlung – je nach Tumorart – gemeinsam mit Onkologie und Radio-Onkologie geplant wird.