Adenomyose (Adenomyosis uteri) —
Die Adenomyose ist eine gutartige, chronische Erkrankung der Gebärmutter. Dabei findet sich gebärmutterschleimhautähnliches Gewebe innerhalb der Muskelschicht der Gebärmutter (Myometrium). Dies kann zu Umbau- und Entzündungsprozessen führen und Beschwerden wie starke oder verlängerte Monatsblutungen, ausgeprägte Regelschmerzen und chronische Unterbauchschmerzen verursachen.
Was ist Adenomyose?
Die Adenomyose uteri bezeichnet das Vorkommen endometriumähnlicher Drüsen und Stroma innerhalb der Gebärmuttermuskulatur (Myometrium). Adenomyose und Endometriose sind eigenständige, eng verwandte Erkrankungen und können gleichzeitig auftreten. Die Adenomyose ist hormonabhängig; im betroffenen Muskelgewebe können entzündliche Reaktionen, Verdickungen und fibrotische Umbauprozesse entstehen. Die genauen Mechanismen sind noch nicht vollständig geklärt.
Abgrenzung zur Endometriose
Der wesentliche Unterschied liegt in der Lokalisation. Bei der Endometriose befindet sich endometriumähnliches Gewebe ausserhalb der Gebärmutter, häufig im kleinen Becken, zum Beispiel an Eierstöcken, Bauchfell, Darm oder Blase. Bei der Adenomyose liegen die Veränderungen innerhalb der Gebärmutterwand. Beide Erkrankungen können gleichzeitig vorkommen.
Diffuse vs. fokale Adenomyose
Die Adenomyose kann diffus oder fokal ausgeprägt sein. Bei der diffusen Form sind grössere Bereiche der Gebärmuttermuskulatur betroffen. Bei der fokalen Form liegt ein umschriebener Bereich vor; dieser wird teilweise als Adenomyom bezeichnet und kann in der Bildgebung einem Myom ähneln.
Symptome
Ein Teil der Betroffenen hat keine Beschwerden. Bei symptomatischer Adenomyose stehen vor allem starke oder verlängerte Monatsblutungen und Schmerzen im Vordergrund. Die Ausprägung ist individuell sehr unterschiedlich.
Starke und verlängerte Menstruationsblutung (Hypermenorrhö/Menorrhagie)
Die Monatsblutung kann deutlich stärker oder länger als üblich sein und mit Blutgerinnseln einhergehen. Ein längerfristig erhöhter Blutverlust kann zu Eisenmangel und Blutarmut (Anämie) mit Müdigkeit, Leistungsabfall oder Kreislaufbeschwerden führen.
Starke Periodenschmerzen (Dysmenorrhö)
Typisch sind ausgeprägte, häufig krampfartige Unterbauchschmerzen vor und während der Menstruation. Die Schmerzen können in den Rücken oder die Beine ausstrahlen und den Alltag erheblich beeinträchtigen.
Schmerzen beim Geschlechtsverkehr (Dyspareunie)
Tiefsitzende Schmerzen beim Geschlechtsverkehr können auftreten. Da Adenomyose häufig gemeinsam mit Endometriose oder anderen Ursachen von Beckenschmerzen vorkommt, sollte bei ausgeprägten Beschwerden die gesamte Beckenregion beurteilt werden.
Chronische Unterleibsschmerzen und Druckgefühl
Manche Betroffene haben auch ausserhalb der Menstruation chronische Unterbauchschmerzen oder ein Druckgefühl im Becken. Eine vergrösserte Gebärmutter kann zusätzlich ein Druckgefühl auf Blase oder Enddarm verursachen.
Kinderwunsch und Fruchtbarkeit
Adenomyose kann mit eingeschränkter Fruchtbarkeit und ungünstigeren Schwangerschaftsverläufen assoziiert sein. Viele Betroffene werden dennoch spontan schwanger. Bei unerfülltem Kinderwunsch ist eine individuelle Beratung sinnvoll.
Entstehung und Ursachen von Adenomyose
Die genaue Ursache der Adenomyose ist nicht abschliessend geklärt. Diskutiert werden mehrere Entstehungsmodelle, darunter Veränderungen an der Grenzzone zwischen Gebärmutterschleimhaut und Muskel, Prozesse von Gewebeverletzung und -reparatur sowie mögliche metaplastische oder stammzellbezogene Mechanismen. Hormonelle, entzündliche und genetische Faktoren scheinen ebenfalls eine Rolle zu spielen.
Veränderungen der Grenzzone (Junktionszone)
Eine wichtige Theorie geht davon aus, dass wiederholte Mikroverletzungen und Reparaturvorgänge an der Grenze zwischen Endometrium und Myometrium die Entstehung begünstigen können. Schwangerschaften und Eingriffe an der Gebärmutter sind in Studien mit Adenomyose assoziiert, gelten aber nicht als notwendige oder eindeutig bewiesene Ursache; auch Frauen ohne solche Faktoren können erkranken.
Hormonelle und entzündliche Einflüsse
Adenomyose ist eine hormonabhängige Erkrankung. Vor allem lokale Östrogenwirkung, eine veränderte Progesteronantwort sowie Entzündungs- und Umbauprozesse im Gewebe werden als wichtige Faktoren diskutiert. Der vereinfachende Begriff „Östrogendominanz“ beschreibt die Erkrankung daher nicht ausreichend.
Diagnostik
Die klinische Diagnose wird heute in erster Linie durch bildgebende Verfahren gestellt. Eine Bauchspiegelung ist zur Diagnose einer Adenomyose in der Gebärmutterwand nicht erforderlich. Eine histologische Sicherung ist insbesondere nach einer Gebärmutterentfernung möglich, für die klinische Diagnose aber nicht notwendig.
Behandlungen
Die Behandlung richtet sich nach Art und Stärke der Beschwerden, Alter, Kinderwunsch, Ausdehnung der Erkrankung und möglichen Begleiterkrankungen. Eine Gebärmutterentfernung ist die definitive Therapie für uterine Beschwerden, ist jedoch nicht die einzige Behandlungsmöglichkeit und bei bestehendem Kinderwunsch keine Option. Nicht-hormonelle Behandlung: Nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen oder Naproxen können Regelschmerzen lindern. Bei starken Monatsblutungen kann in geeigneten Fällen Tranexamsäure eingesetzt werden. Bei Eisenmangel oder Anämie sollte zusätzlich eine entsprechende Diagnostik und Behandlung erfolgen. Hormonelle Behandlung: Ziel hormoneller Therapien ist es, Blutungen und Schmerzen zu reduzieren. Häufig eingesetzt werden ein Levonorgestrel-freisetzendes Intrauterinsystem (Hormonspirale), Gestagene wie Dienogest sowie kombinierte hormonelle Kontrazeptiva. GnRH-Agonisten oder -Antagonisten können in ausgewählten Situationen zeitlich begrenzt eingesetzt werden. Die Auswahl erfolgt individuell unter Berücksichtigung von Beschwerden, Nebenwirkungen und Kinderwunsch. Operative und interventionelle Verfahren Bei abgeschlossener Familienplanung und anhaltend starken Beschwerden kann eine Hysterektomie eine definitive Behandlung sein. Bei fokaler Adenomyose kommen in ausgewählten Fällen organerhaltende operative Verfahren infrage
Häufige Fragen zu Adenomyose
Kann ich mit einer Adenomyose trotzdem schwanger werden?
Ja, eine Schwangerschaft ist grundsätzlich möglich. Adenomyose kann jedoch mit einer verminderten Fruchtbarkeit sowie einem erhöhten Risiko für Fehlgeburten, Frühgeburtlichkeit und weitere Schwangerschaftskomplikationen assoziiert sein. Das individuelle Risiko hängt unter anderem von Ausprägung, Alter und Begleiterkrankungen ab. Bei unerfülltem Kinderwunsch oder bekannter ausgeprägter Adenomyose ist eine frühzeitige Beratung in einer spezialisierten Sprechstunde sinnvoll.
Verschwindet die Adenomyose nach den Wechseljahren von selbst?
Die Beschwerden bessern sich nach der Menopause häufig deutlich. Durch den Abfall der körpereigenen Östrogenproduktion nimmt die Aktivität der hormonabhängigen Erkrankung meist ab. Es lässt sich jedoch nicht garantieren, dass sämtliche Veränderungen vollständig verschwinden. Neu auftretende Blutungen oder anhaltende Beschwerden nach der Menopause sollten gynäkologisch abgeklärt werden.