Damit Forschung Wirkung entfalten kann

Im Jahr 2025 bewilligte die Forschungskommission 22 von 31 Forschungsgesuchen. Wie werden Projekte ausgewählt, welche Kriterien sichern die wissenschaftliche Qualität – und wie gelangen Forschungsergebnisse letztlich bis ans Patientenbett?

Miluse Trtikova, Sie sind die Erste, die einen Blick auf ein Forschungsgesuch an die Forschungskommission wirft. Was prüfen Sie zuerst?
Miluse Trtikova: Ich prüfe zuerst, ob die formalen Kriterien erfüllt wurden. Das bedeutet: Sind alle Dokumente vorhanden, ist das beantragte Budget angemessen? Im Vergleich zu den regulären Projekten sind die Kriterien bei medizinischen Dissertationen etwas weniger streng: Hier ist entscheidender, dass wir junge Ärztinnen und Ärzte fördern können. 2025 wurden fünf von fünf Gesuchen bewilligt, im Vorjahr eines weniger. Diese Quote ist sehr hoch. Was uns bei klinischen Forschungsprojekten immer wieder beschäftigt, sind die benötigten Probandinnen und Probanden – fehlen sie, wird es schwierig. Viele Projekte dauern aufgrund geringer Probandenzahlen länger als geplant.

Marian Neidert, Sie sind Präsident der Forschungskommission. Welche Projekte haben die besten Chancen auf eine Anschubfinanzierung?
Marian Neidert: Entscheidend sind die wis senschaftliche Exzellenz, die Originalität, der potenzielle Nutzen für Patientinnen und Pati enten sowie die Machbarkeit. Es kann vorkom men, dass eine überzeugende Idee vorliegt, doch das Setting hier in St.Gallen nicht passt.

Nachwuchsförderung ist eine zentrale Voraussetzung für gute Forschung.
Dr. Miluse Trtikova, Koordinatorin Forschungsförderung und -kommunikation

Sämtliche Anträge werden in der Kommission von Gutachterinnen und Gutachtern vorgestellt und dann im Gremium von 19 Personen verhandelt. Vertreten sind verschiedene Forschungszweige und Partner. Wie gross ist die Gefahr der Befangenheit?
Marian Neidert: Da gibt es strikte Regelungen: Wenn zum Beispiel mein Fachgebiet, die Neurochirurgie, betroffen ist, trete ich sofort in den Ausstand. Dasselbe gilt für alle Mitglieder der Forschungskommission. Damit sind mögliche Interessenskonflikte vom Tisch.

Hat das nicht den Nachteil, dass die fachliche Expertise an der Sitzung fehlt?
Miluse Trtikova: Gewisse fachliche Expertise ist immer gegeben. Bei sehr spezialisierten Projekten ist es aber unerlässlich, sich gründlich einzulesen. Dabei helfen die Vorgaben, dass der Projektbeschrieb maximal fünf Seiten umfassen darf und verständlich geschrieben sein muss.
Marian Neidert: Zudem können wir uns auf mehrere Gutachten stützen, die sich mit jedem Antrag ausführlich auseinander setzen.

Wissenschaftliche Qualität braucht klare Regeln und unabhängige Entscheidungen.
Prof. Dr. Marian Neidert, ehem. Präsident Forschungskommission

Was bewirkt die Anschubfinanzierung?
Marian Neidert: Sie bildet häufig die Grundlage, um erste Daten zu erheben und zusätzliche Fördermittel einzuwerben. Damit wird es einfacher, weitere Gelder zu beantragen, zum Beispiel beim Schweizerischen Nationalfonds. Gleichzeitig stärkt sie die Zusammenarbeit der jungen Forschenden mit der EMPA, und neu auch der HSG. Das macht den Forschungsstandort St.Gallen attraktiv. Ein Beispiel dafür ist die Neuroimmunologin Natalia Pikor am Kantonsspital St.Gallen. Die frühe Förderung ihrer Forschung trug wesentlich dazu bei, dass sie heute eine ETH-Professur innehat. Diese Zusammenarbeit kommt auch HOCH Health Ostschweiz zugute.

Miluse Trtikova, Sie sind als Wissenschaftlerin von der ETH Zürich nach St.Gallen gekommen. Was war Ihre grösste Überraschung?
Miluse Trtikova: Der Forschungsstandort St.Gallen wird von aussen häufig unterschätzt. Tatsächlich entstehen hier zahlreiche Projekte mit hoher wissenschaftlicher Qualität und nationaler Sichtbarkeit. Umso wichtiger ist die öffentlich einsehbare Online-Forschungsdatenbank (forschung.h-och.ch). Tatsächlich wächst die Zahl der Forschungsprojekte.

Céline Engetschwiler, Sie verantworten den Technologietransfer. Was ist das Ziel der noch jungen Stelle? Céline Engetschwiler: Die Forschenden zu beraten und unterstützen – auch finanziell –, ihre Forschungsresultate patentieren und als geistiges Eigentum von HOCH Health Ostschweiz schützen zu lassen.

Unser Ziel ist es, Forschungsergebnisse für die medizinische Versorgung nutzbar zu machen.
Céline Engetschwiler, Fachverantwortliche Technologietransfer, Stv. Leiterin Forschungsmanagement

Was bringt das? Geht es um den Return on Investment?
Céline Engetschwiler: Natürlich ist es interessant, wenn die Investition zurückfliesst und weitere Forschungsprojekte zu lässt. Bleiben die Rechte bei HOCH Health Ostschweiz, können wissenschaftliche Erkenntnisse verwendet und weiterentwickelt werden. Die Forschungsresultate kommen so bis zum Krankenbett. Langfristig gesehen, bringt jede erfolgreiche Forschung mehr Qualität für jene, die unser Spital nutzen: die Patientinnen und Patienten.