Enddarmkrebs (Rektumkarzinom) —
Enddarm- oder Mastdarmkrebs gehört zu den häufigen bösartigen Tumorerkrankungen des Darms und betrifft den letzten Abschnitt des Dickdarms mit dem Schliessmuskel, das Rektum. Die Erkrankung entwickelt sich meist langsam über mehrere Jahre und bleibt in frühen Stadien oft unbemerkt. Früh erkannt bestehen jedoch gute Behandlungschancen. Eine strukturierte Vorsorge und eine präzise Diagnostik sind entscheidend für die Prognose und die Wahl der optimalen Therapie. In der Schweiz ist auf Grund der Komplexität der Behandlung die Zentralisierung auf wenige Zentren vorgeschrieben. Als eines von derzeit 15 Zentren bietet das Kantonsspital St.Gallen das gesamte Spektrum der Diagnostik und Therapie auf höchstem Niveau.
Was ist Enddarmkrebs?
Enddarmkrebs ist eine bösartige Tumorerkrankung des Rektums, die aus veränderten Schleimhautzellen entsteht. Häufig entwickelt sich der Tumor aus zunächst gutartigen Vorstufen, sogenannten Polypen oder Adenomen, die sich im Verlauf bösartig verändern können. Die Erkrankung tritt vor allem im höheren Lebensalter auf, kann jedoch auch jüngere Patientinnen und Patienten betreffen.
Entwicklung und Verlauf
Das Rektumkarzinom entsteht in der Regel schrittweise über einen längeren Zeitraum. Aus gutartigen Schleimhautveränderungen kann sich ein Tumor entwickeln, der in die Darmwand einwächst und im weiteren Verlauf benachbarte Strukturen oder Lymphknoten befallen kann. In fortgeschrittenen Stadien sind auch Absiedelungen in andere Organe möglich. Der Verlauf hängt wesentlich vom Tumorstadium bei Diagnosestellung ab.
Symptome
Enddarmkrebs verursacht insbesondere in frühen Stadien häufig keine oder nur unspezifische Beschwerden. Mit zunehmender Tumorgrösse können jedoch verschiedene Symptome auftreten, die eine ärztliche Abklärung erfordern.
Blut im Stuhl
Blutauflagerungen auf dem Stuhl oder Blutbeimengungen sind ein häufiges Warnzeichen. Oft wird es zunächst mit gutartigen Ursachen (wie Hämorrhoiden) verwechselt, sollte jedoch immer mittels Darmspiegelung abgeklärt werden.
Veränderungen des Stuhlgangs
Neu auftretende Veränderungen wie Durchfall, Verstopfung, ein Wechsel zwischen beiden oder eine schmalere Stuhlform können Hinweise auf eine Erkrankung im Enddarm sein.
Stuhldrang und Entleerungsstörungen
Ein häufiger oder plötzlicher Stuhldrang sowie das Gefühl einer unvollständigen Darmentleerung sind typische Beschwerden bei tiefsitzenden Tumoren im Rektum.
Bauch- und Beckenschmerzen
Druckgefühl, Schmerzen im Unterbauch oder im Beckenbereich können im Verlauf auftreten, sind jedoch unspezifisch und müssen im Zusammenhang beurteilt werden.
Ungewollter Gewichtsverlust und Müdigkeit
Ein unbeabsichtigter Gewichtsverlust sowie anhaltende Müdigkeit können auf eine fortgeschrittene Erkrankung hinweisen und sind häufig Ausdruck einer allgemeinen Belastung des Körpers.
Entstehung und Ursachen von Enddarmkrebs
Die Entstehung von Enddarmkrebs ist multifaktoriell bedingt. Neben genetischen Faktoren spielen Lebensstil und Umwelteinflüsse eine wichtige Rolle. In vielen Fällen entwickelt sich der Tumor aus gutartigen Vorstufen der Darmschleimhaut.
Adenome als Vorstufe
Die meisten Rektumkarzinome entstehen aus Adenomen (Polypen), die sich über Jahre hinweg bösartig verändern können, wenn sie nicht entfernt werden.
Genetische Faktoren
Eine familiäre Belastung kann das Risiko für Darmkrebs erhöhen. Bestimmte erbliche Syndrome gehen mit einem deutlich erhöhten Risiko für kolorektale Tumoren einher.
Lebensstil und Ernährung
Ernährungsgewohnheiten, Bewegungsmangel, Übergewicht sowie ein erhöhter Konsum von rotem und verarbeitetem Fleisch können das Risiko für die Entstehung von Enddarmkrebs begünstigen. Auch Rauchen und Alkohol gelten als relevante Risikofaktoren.
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Diagnostik
Zur Diagnose von Enddarmkrebs kommen verschiedene Untersuchungsmethoden zum Einsatz. Eine zentrale Rolle spielt die Enddarmspiegelung (Rektoskopie) beziehungsweise die Darmspiegelung (Koloskopie), bei der Veränderungen der Schleimhaut direkt erkannt und Gewebeproben entnommen werden können. Ergänzend wird insbesondere die Magnetresonanztomographie (MRT) des Beckens eingesetzt, um die lokale Ausdehnung des Tumors im Enddarm präzise zu beurteilen. Zudem erfolgt eine Beurteilung der lokalen Ausdehnung mittels Endosonographie (Ultraschall «von Innen», die Sonde wird durch den After in den Enddarm eingefügt). Zusätzlich können weitere bildgebende Verfahren wie die Computertomographie (CT) notwendig sein, um eine mögliche Ausbreitung der Erkrankung im Körper zu erfassen. Weitere Informationen zur Diagnostik sind auf den entsprechenden Fachseiten verfügbar.
Darmspiegelung (Koloskopie)
Die Darmspiegelung, auch Koloskopie genannt, wird bei beschwerdefreien Patienten ohne familiäre Belastung ab dem 50. Lebensjahr als sogenannte Screening-Koloskopie empfohlen, um frühzeitig potentielle Tumorvorstufen wie Polypen zu entdecken und abzutragen.
Enddarmspiegelung (Rektoskopie)
Die Rektoskopie ist eine starre endoskopische Untersuchung des Enddarms (Rektum), mit der Untersuchungen sowohl im tiefen wie auch im mittleren bis höheren Enddarm durchgeführt werden können. Sie ermöglicht es, Veränderungen der Darmschleimhaut direkt zu beurteilen und dient der Abklärung verschiedener Beschwerden im Bereich des Enddarms. Die Untersuchung spielt eine wichtige Rolle bei der Diagnose von Erkrankungen wie Hämorrhoiden, Entzündungen, Polypen oder Enddarmkrebs und kann auch zur Verlaufskontrolle nach Behandlungen eingesetzt werden. Im Gegensatz zu einer Ano-Proktoskopie, welche für den Schliesmuskelbereich ausreichend ist, kann man mit dem Rektoskop durch Luftinsufflation in den Mastdarm dessen Entfaltung ermöglichen und weiter in den Enddarmbereich hinauf spiegeln.
Obere und untere Endosonographie (hochaufgelöster Ultraschall)
Die obere und untere Endosonographie ist eine Kombination aus Magenspiegelung und innerlicher Ultraschall-Untersuchung. Auf dem Endoskop ist dazu eine Ultraschall-Sonde angebracht. Bei der unteren Endosonographie wird das Gerät durch den After in den Enddarm eingeführt. Diese Untersuchung verwendet man oft um das lokale Ausmass eines Enddarmkrebs zu bestimmen. Mit einem starren Instrument kann zudem eine genaue Beurteilung des unteren Schliessmuskels erfolgen.
Ultraschall (Sonographie)
Ultraschall, oder auch Sonographie genannt, ist die Anwendung von Ultraschallwellen (vergleichbar der Schallwellen in Sprache oder Musik) als bildgebendes Verfahren unter anderem zur Untersuchung von organischem Gewebe in der Medizin.
Computertomographie (CT)
Die Computertomographie (CT) erzeugt mit Hilfe von Röntgenstrahlen Querschnittsbilder des menschlichen Körpers. Dabei werden je nach Bedarf in sehr kurzer Zeit (Sekunden) grosse Körperabschnitte wie Kopf, Brust-, Bauchraum, Becken und Extremitäten in hoher Qualität abgebildet. Als schnelles und jederzeit verfügbares Schnittbildverfahren kann sie ein breites Spektrum von Fragestellungen beantworten.
PET-CT
Die Positronen-Emissions-Tomographie, kombiniert mit einer Computertomographie (PET-CT), ist ein modernes nuklearmedizinisches Untersuchungsverfahren, welches mit hoher Präzision Tumore und Entzündungen erfassen kann.
Magnetresonanztomographie (MRT)
Die Magnetresonanztomographie (MRT) ist eine äusserst wertvolle, schmerzlose Untersuchung, die es den Radiologen und Radiologinnen erlaubt, Bilder von Ihrem Körperinnern zu erzeugen, die mit anderen bildgebenden Methoden nicht dargestellt werden können. Mit Hilfe eines starken, dauernd vorhandenen Magnetfeldes wird die Verteilung und Menge von Wasserstoffatomen im Körper gemessen und mittels eines leistungsstarken Computers Bilder berechnet. Während der Untersuchung wird in aller Regel eine Serie von Querschnittsbildern mit unterschiedlichem Bildkontrast aufgenommen.
Histopathologie
Am Institut für Pathologie werden Gewebeproben aus allen Organsystemen untersucht.
Molekularpathologie
Molekularpathologische Untersuchungen sichern und ergänzen morphologisch gestellte Diagnosen durch Untersuchungen auf molekularer Ebene.
Allgemeine Labordiagnostik
Die allgemeine hämatologische und onkologische Labordiagnostik umfasst Basisuntersuchungen zur Beurteilung von Blutbild, Blutzellen und Tumormarkern. Dazu gehören unter anderem das vollständige Blutbild, Differentialblutbild sowie Parameter zur Gerinnung und Hämolyse. In der Onkologie werden zusätzlich laborchemische Marker wie z. B. CEA, CA-19-9 oder PSA bestimmt, die Hinweise auf das Vorliegen oder den Verlauf einer Krebserkrankung geben können. Diese Diagnostik dient der Früherkennung, Verlaufsbeurteilung und Therapieüberwachung hämatologischer und onkologischer Erkrankungen.
Behandlungen
Zur Behandlung von Enddarmkrebs stehen verschiedene Therapieoptionen zur Verfügung, die individuell auf das Tumorstadium und die persönliche Situation abgestimmt werden. Sehr frühe Tumorstadien und Vorstufen eines Enddarmkrebses können allenfalls nur durch lokale Entfernung mittels der Dickdarmspiegelung oder der «transanalen» chirurgischen Entfernung erfolgen. Im Zentrum der Behandlung steht in vielen Fällen die Operation, mit Entfernung des tumortragenden Darmanteils, ergänzt durch Strahlentherapie und medikamentöse Therapien wie Chemotherapie oder zielgerichtete Behandlungsansätze. Die Therapieplanung erfolgt interdisziplinär im Rahmen von Tumorkonferenzen, um für jede Patientin und jeden Patienten die bestmögliche Behandlungsstrategie festzulegen. Ziel ist eine möglichst schonende, gleichzeitig onkologisch (krebstherapeutisch) sichere Behandlung mit bestmöglicher Lebensqualität.
Häufige Fragen
Wie oft sollte eine Vorsorgeuntersuchung erfolgen?
Ab einem bestimmten Alter werden regelmässige Vorsorgeuntersuchungen empfohlen, auf jeden Fall ab dem 50. Lebensjahr bzw. bei Erkrankungen von nahen Angehörigen bereits deutlich früher. Das genaue Kontroll - Intervall nach einer Vorsorgeuntersuchung hängt vom individuellen Risiko und den bisherigen Befunden ab. Bei erhöhtem Risiko können kürzere Kontrollabstände notwendig sein.
Ist Enddarmkrebs immer vermeidbar?
Nicht alle Fälle lassen sich verhindern. Durch regelmässige Vorsorgeuntersuchungen können jedoch Vorstufen früh erkannt und entfernt werden. Ein gesunder Lebensstil kann das Erkrankungsrisiko zusätzlich senken.
Wie lange dauert die Behandlung?
Die Behandlungsdauer hängt vom Stadium der Erkrankung und der gewählten Therapie ab. Sie kann von mehreren Wochen bis hin zu mehreren Monaten reichen und umfasst häufig verschiedene Behandlungsabschnitte wie Operation, Strahlentherapie und medikamentöse Therapie.
Kann man nach der Behandlung wieder normal leben?
Viele Patientinnen und Patienten können nach Abschluss der Therapie wieder eine gute Lebensqualität erreichen. Die Erholungszeit sowie mögliche funktionelle Veränderungen sind individuell unterschiedlich und hängen unter anderem vom Ausmass der Behandlung ab.
Welche Rolle spielt die Ernährung nach der Therapie?
Eine ausgewogene und individuell angepasste Ernährung unterstützt die Erholung nach der Behandlung. Sie kann zudem helfen, das allgemeine Wohlbefinden zu verbessern und das Risiko für ein Wiederauftreten der Erkrankung positiv zu beeinflussen. Eine ernährungsmedizinische Beratung kann dabei sinnvoll sein.