
Stroke Center
Von der Akutphase im Notfallzentrum über die Behandlung und Rehabilitation auf der Station, bis hin zur ambulanten Nachsorge in der Sprechstunde: Das zertifizierte Stroke Center (Schlaganfallzentrum) von HOCH Health Ostschweiz am Standort St.Gallen, in Zusammenarbeit mit der Stroke Unit am Standort Grabs, bietet die optimale Versorgung für Schlaganfallpatientinnen und -patienten.
Unterseiten
In der Schweiz erleiden jährlich ca. 22’000 Menschen einen Hirnschlag. Er trifft Patientinnen und Patienten sowie deren Angehörige meistens plötzlich und unerwartet und kann lebensbedrohlich sein. Aus diesem Grund ist es ein Anliegen der Stroke Unit, die Öffentlichkeit für das Thema zu sensibilisieren und aufzuklären. Im Falle eines Hirnschlags zählt jede Minute, denn bei einem unbehandelten Hirnschlag gehen mehrere Millionen Nervenzellen zugrunde. Die Heilungschancen sind umso grösser, je rascher die Akuttherapie des Hirnschlags erfolgt.
Das Stroke-Unit-Konzept bezeichnet die spezialisierte Versorgung von Patientinnen und Patienten mit einem Hirnschlag durch ein interdisziplinäres Team aus Ärztinnen und Ärzten, Pflegefachpersonen sowie Therapeutinnen und Therapeuten aus den Bereichen Ergo-, Physio- und Logopädie. Ein zentrales Element dieses Konzepts ist die kontinuierliche Überwachung der Betroffenen, um auf Veränderungen des Gesundheitszustands rasch reagieren zu können. Studien zeigen, dass mit einer Behandlung auf einer spezialisierten Stroke Unit nachweislich bessere Behandlungsergebnisse erzielt werden, als auf nicht spezialisierten Überwachungsstationen.
Die Stroke Unit von HOCH Health Ostschweiz besteht bereits seit 2010. Zudem wurde HOCH Health Ostschweiz im Jahr 2012 als erstes Stroke Center der Schweiz zertifiziert. Ebenfalls im Jahr 2012 wurde am Spital Grabs eine Stroke Unit etabliert. Sie gilt als die erste Stroke Unit der Schweiz. Damit verfügt die Region seit vielen Jahren über eine ausgewiesene Expertise in der modernen Hirnschlagversorgung.
Was ist ein Hirnschlag?
Ein Hirnschlag entsteht meistens durch einen plötzlichen Verschluss einer Schlagader im Gehirn. Ursächlich können sich zum Beispiel Gerinnsel im Körper (z. B. am Herzen oder an den Halsschlagadern) bilden, welche mit den Blutgefässen zum Hirn transportiert werden und dort ein Gefäss verschliessen («Embolie»). Nach einem Gefässverschluss treten bereits innerhalb weniger Sekunden neurologische Ausfälle auf. Je nach Lokalisation des betroffenen Hirnareals können beispielsweise Lähmungserscheinungen, Sprachstörungen, eine Sehstörung oder Fühlstörungen eintreten. Die wichtigsten Ursachen solcher Gerinnsel sind:
Arterienverkalkungen an den Hals – oder Hirngefässen
Herzrhythmusstörungen, insbesondere Vorhofflimmern
Es gibt aber auch viele andere Ursachen, die einen Hirnschlag auslösen können, wie z. B. Verletzungen der Gefässwand (Dissektionen), Gerinnungsstörungen im Blut, Tumore oder Herzklappenerkrankungen. Manchmal lässt sich der Ursprung des Gerinnsels nicht sicher nachvollziehen, die Ursache des Hirnschlags bleibt dann unklar.
Erkennen von Hirnschlagsymptomen: (BE)FAST/Verhalten im Notfall
Die Symptome des Hirnschlags können ganz unterschiedlich sein, je nachdem in welchem Hirnareal der Gefässverschluss lokalisiert ist. Ein hilfreiches Kennzeichen ist, dass die Symptome plötzlich bzw. schlagartig auftreten («Schlaganfall»).
Merken Sie sich hierzu die «4 S» des Schlaganfalls:
Sprachstörung
Sehstörung
Schwäche (Gesicht, Arm/Bein)
Schnell alarmieren!
Auch ein akuter Schwindel mit Unfähigkeit zu Gehen oder Stehen kann ein Symptom eines Schlaganfalls sein. Tritt eines dieser Symptome schlagartig auf, alarmieren Sie schnell die Notrufnummer 144.
Per Rettungswagen oder Hubschrauber werden Sie dann in das nächstgelegene Hirnschlagzentrum (Stroke Unit oder Stroke Center) transportiert, welches auf die Behandlung und Abklärung von Hirnschlägen spezialisiert ist. Wenn es gelingt, den Gefässverschluss in kürzester Zeit wieder zu öffnen, bilden sich die neurologischen Ausfälle (z.B. Lähmungen) häufig sehr rasch zurück.
In der Notfallsituation sollen in der Regel keine Medikamente gegeben werden, insbesondere keine Blutverdünner. Wenn möglich sollten Sie für den Rettungsdienst Informationen über eingenommene Medikamente und Vorerkrankungen bereithalten. Ein Notfallkontakt kann im Laufe der Behandlung für Rückfragen hilfreich sein.
Wichtige Kontaktdaten:
Notruf: Tel. 144 Ambulanz; Tel. 1414 REGA
HOCH Health Ostschweiz Stroke Center: +41 71 494 16 57; stroke@h-och.ch
Nationale Rauchstopplinie: 0848 000 181, www.at-schweiz.ch, www.stoptabak.ch
Rauchstopp Sprechstunde HOCH Health Ostschweiz Lungenzentrum, Haus 33B, Lindenstrasse 52, 9007 St. Gallen: +41 71 494 99 55; www.h-och.ch/lungenzentrum
Standorte
An folgenden Standorten sind wir tätig. Informieren Sie sich über allgemeine Informationen zu unseren Standorten wie Anreise und Arealpläne.
Weitere Informationen
Häufigkeit in der Schweiz
In der Schweiz ereignen sich im Jahr ca. 22.000 Hirnschläge. Das entspricht ca. 245 pro 100.000 Einwohner pro Jahr oder 60 pro Tag, entsprechend allen 24 Minuten.
Eine von vier Personen erleidet in seinem Leben einen Hirnschlag. In über 50% im Alter von unter 70 Jahren. Ein erneuter Hirnschlag tritt im ersten Jahr in 10-15%, längerfristig in 40% der Fälle auf. Die Sterblichkeit beim Hirnschlag beträgt ca. 10.5% im ersten Jahr (Frauen 13.4%, Männer 8%) und hat sich seit 2004 in etwa halbiert.
Der Hirnschlag ist die häufigste Ursache dauerhafter Behinderung, was die Erkrankung zur teuersten Krankheit der Industrieländer macht.
Arten von Hirnschlag & TIA
Arten von Hirnschlag
Man unterscheidet grundsätzlich zwei Arten von Hirnschlag, die Hirnblutung (ca. 15%) und den ischämischen Hirninfarkt (Durchblutungsstörung, ca. 85% der Fälle).
TIA (transitorische ischämische Attacke; «Streifung»)
Bei einer TIA kommt es ebenfalls zu einer Minderdurchblutung eines Hirnareals, allerdings nur vorübergehend. Im Gegensatz zum Hirnschlag löst sich das Gerinnsel innert weniger Minuten spontan wieder auf, sodass keine dauerhaften Schäden im Hirngewebe verbleiben. Trotz der spontanen Erholung von den Symptomen der Streifung besteht ein hohes Risiko, in den darauffolgenden Tagen bis Wochen einen Hirnschlag zu erleiden, wenn die Ursache der Streifung nicht rasch abgeklärt und behandelt wird. Deshalb ist eine Streifung ein echter Notfall, eine sofortige medizinische Abklärung ist noch am selben Tag notwendig.
Abklärungen im Notfall
«Time is brain»
Grundsätzlich gilt: jede Minute zählt! Bei einem Hirnschlag gehen in jeder Minute, die ein grösseres Gefäss weiter verschlossen bleibt, mehrere Millionen Nervenzellen zugrunde. Deshalb sind die Heilungschancen umso grösser, je rascher die Wiederöffnung des Gefässes erfolgt.
Abklärung im Notfall
Hier wird zunächst geklärt, ob es sich tatsächlich um einen Hirnschlag oder um eine andere Erkrankung, die aussieht wie ein Hirnschlag, handelt. Zur Unterscheidung zwischen Hirnblutung und Durchblutungsstörung wird eine Bildgebung, meistens mittels Computerschichtröntgen durchgeführt.
Wenn der Hirnschlag anzunehmend alltagsrelevante Folgen hat, wird die Möglichkeit einer Akuttherapie geprüft.
Akuttherapie
Es gibt zwei Behandlungsmöglichkeiten, um das Gerinnsel im Gefäss wieder aufzulösen:
medikamentös durch Verabreichung eines gerinnselauflösenden Medikaments über die Vene (intravenöse Thrombolyse) oder
mechanisch durch Vorschieben eines Katheters in die Hirnarterie (mechanische Thrombektomie).
Diese Behandlung sollte bevorzugt auch kombiniert und so rasch als möglich erfolgen, ist aber nur in einem engen Zeitfenster an bestimmten Orten möglich. Deshalb ist eine rasche Verlegung in ein Hirnschlagzentrum von grösster Bedeutung.
Risikofaktoren & Vorbeugung
Risikofaktoren
Wussten Sie, dass folgende fünf Risikofaktoren:
Bluthochdruck
mangelnde Bewegung
ungesunde Ernährung
Übergewicht
Rauchen
für 80 % der Schlaganfälle verantwortlich sind und dass man durch eine effektive Kontrolle dieser Risikofaktoren das Risiko für einen (erneuten) Hirnschlag um bis zu 80% senken kann?
Vorbeugung
Bluthochdruck ist der wichtigste Risikofaktor für Hirnschlag. Er ist jedoch sehr heimtückisch, da er meist jahrelang unbemerkt bleibt und keine Beschwerden verursacht. Ideal ist ein Blutdruck um 120/80 mmHg, wobei der obere Wert in der Regel 130 – 140 mmHg und der untere Wert 90 mmHg nicht überschreiten sollte.
Regelmässige sportliche Aktivität reduziert das Risiko für einen Hirnschlag oder einen Herzinfarkt deutlich. Ausdauertraining verbessert nebst Bluthochdruck auch die Blutfett- und Blutzuckerwerte und die Neigung zur Blutgerinnungsstörung. Zusätzlich fördert regelmässiges körperliches Training auch die Gehirnfunktionen, reduziert das Risiko für das Auftreten von Demenzen, verbessert die Herz- und Lungenfunktion, beugt der Osteoporose vor und vermindert das Krebsrisiko. Und nicht zuletzt: es macht Spass!
Eine mediterrane Ernährungsweise hat sich für Herz und Gefässe als schützend erwiesen. Darunter versteht man einen hohen Konsum von Obst und Gemüse, häufig Fisch und Hülsenfrüchte, wenig Fleisch, wobei Geflügel bevorzugt wird. Als Fett wird zur Hauptsache Olivenöl verwendet. Der regelmässige Konsum von Nusskernen, Kaffee und Kakao gehört ebenfalls zu einer gefässschützenden Ernährung. Der Kochsalzkonsum sollte möglichst reduziert werden.
Übergewicht erhöht langfristig das Risiko, einen Hirnschlag zu erleiden. Zusätzlich wird aber insbesondere auch die Entstehung von Bluthochdruck, Demenz und Diabetes begünstigt. Ungünstig sind vor allem Fettansammlungen im Bauch raum (viszerales Fett). Das ideale Körpergewicht hängt auch von der Körpergrösse ab. Aus dem Gewicht und der Körpergrösse errechnet sich der sogenannte «Body Mass Index» (BMI = Körpergewicht [kg]/ (Körpergrösse [m]²).
Cholesterin stellt einen wichtigen Bestandteil der menschlichen Zelle dar. Ist zu viel Cholesterin im Blut, kann es sich an den Innenwänden der Blutgefässe einlagern und so zur Gefässverkalkung beitragen. Das Gesamtcholesterin im Blut setzt sich aus verschiedenen Anteilen zusammen, wobei gerade das LDL-Cholesterin («schlechtes Cholesterin») eine wichtige Rolle bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen spielt.
Rauchen ist gerade bei jüngeren Patientinnen und Patienten ein wichtiger, behandelbarer Risikofaktor. Es ist nie zu spät für einen Rauchstopp: Bereits nach einem Jahr reduziert sich das Hirnschlagrisiko um 50 %, nach 5 Jahren ist das Risiko praktisch ähnlich wie bei Nichtrauchern.
Alkohol in geringen Mengen ist nicht schädlich. Ältere Studien legen sogar nahe, dass ein Alkoholkonsum in geringen Mengen das Hirnschlagrisiko evtl. senken könnte. Doch in grösseren Men gen erhöht Alkohol das Hirnschlagrisiko ganz eindeutig.
Stress als solcher ist keine Krankheit, aber chronischer Stress kann krank machen (z. B. anhaltende Belastungen im Berufs- oder Privatleben, die nicht beseitigt werden können). Neben chronischem Stress ist übrigens auch Lärm (vor allem im Berufsleben) ein ernst zu nehmender Stressfaktor.
Diabetes ist ein wichtiger Risikofaktor für einen Hirnschlag. Insbesondere die kleineren und mittelgrossen Hirngefässe werden beim schlecht eingestellten Diabetes mittel und langfristig schwer geschädigt. Wichtig ist eine dauerhaft optimale Einstellung des Blutzuckerspiegels, wobei es nicht relevant ist, mit welchen Mitteln dies erreicht wird. Zum Teil reichen diätische Massnahmen, in vielen Fällen sind aber zusätzlich Medikamente erforderlich. Regelmässige körperliche Bewegung, gesunder Lebensstil und das Anstreben eines Normalgewichts werden Ihnen die Blutzucker Einstellung wesentlich vereinfachen.
Zusätzlich zu den obengenannten Massnahmen zum Verhalten und Lebensstil kann auch die regelmässige Einnahme von Medikamenten notwendig werden, welche einem Hirnschlag vorbeugen. Dies hängt von Ihrem Risikoprofil, von Begleiterkrankungen und der Vorgeschichte ab. Welche Medikamente genau angezeigt sind bespricht ihre Ärztin/ihr Arzt mit Ihnen.
Verhalten nach einem Schlaganfall
Grundsätzlich muss man sich nach einem Hirnschlag nicht körperlich einschränken, sofern keine speziellen Einschränkungen verordnet worden sind. Achten Sie auf einen gesunden Lebensstil!
Bleiben Sie in Bewegung!
Gönnen Sie sich auch Ruhe.
Ursachensuche
Nach einer Streifung oder nach einem Hirnschlag sollten folgende Untersuchungen rasch eingeleitet werden:
Bluttests
Darstellung der Hals und Hirnarterien (mit Ultraschall, Computertomographie oder Magnetresonanztomographie)
Untersuchung des Herzens (mit Ultraschall und Langzeit-EKG)
Bei der Untersuchung des Herzens kommt häufig ein sogenannter Schluckultraschall zum Einsatz. Dabei wird das Herz über eine Sonde von der Speiseröhre aus untersucht. Der Suche nach Herzrhythmusstörungen (insbesondere Vorhofflimmern) mit dem Langzeit-EKG (mind. 24 Std.) kommt eine grosse Bedeutung zu. Üblicherweise erhält man nach einem Hirnschlag prophylaktisch einen Blutplättchenhemmer zur Blutverdünnung. Liegt allerdings ein Vorhofflimmern vor, dann ist eine andere Blutverdünnung notwendig (sogenannte orale Antikoagulation).
Vorhofflimmern ist eine Rhythmusstörung des Herzens, bei der durch einen unregelmässigen Herzschlag ein deutlich erhöhtes Risiko besteht, dass sich im Herzen Blutgerinnsel bilden. Das Vorhofflimmern lässt sich mittels EKG nachweisen. Da es aber nur sporadisch über die Dauer von ein paar Minuten auftreten kann, ohne dass der Betroffene dies bemerkt, schliesst ein gewöhnliches Ruhe-EKG ein Vorhofflimmern nicht aus. Vorhofflimmern stellt gerade bei älteren Personen die häufigste Ursache für den Hirnschlag dar. Zudem stehen wirksame Medikamente zur Vorbeugung und Therapie von Vorhofflimmern zur Verfügung. Deshalb ist nach einem Hirnschlag oder nach einer Streifung eine intensive Suche nach einem Vorhofflimmern mit Langzeit EKG ratsam (idealerweise mindestens für 3 Tage).
Bei der Arteriosklerose (Arterienverkalkung) kommt es zu einer stetigen Zerstörung der Gefässwände. Es lagern sich unter anderem Fette und Kalk an den Gefässwänden ab, welche mit der Zeit das Gefäss einengen. Je stärker die Verengung, umso wahrscheinlicher kann daraus ein Hirnschlag resultieren. Häufig sind diese Ablagerungen nicht stabil, sodass sich Teile davon ablösen können (Gerinnsel), mit dem Blutstrom ins Gehirn gelangen und dort ein Gefäss verschliessen können. Arteriosklerose ist eine chronische Erkrankung und führt nicht nur zu Hirnschlag, sondern auch zu Herzinfarkt oder Fussamputationen wegen gestörtem Blutzufluss, zu Demenz und vielem mehr. Deshalb ist eine optimale Kontrolle der Risikofaktoren der Arteriosklerose entscheidend.
Weiterführende Links
Schweizerische Hirnschlaggesellschaft: www.neurovasc.ch
Schweizerische Herzstiftung: www.hirnschlag.ch, www.swissheart.ch
Selbsthilfegruppen:
